Les vibrants

Von dem Theaterensemble Teknaï

Les Vibrants, ein Schauspiel des Theaterensembles Teknaï. Foto: Jean-Christophe Lemasson.

Les Vibrants, ein Schauspiel des Theaterensembles Teknaï. Foto: Jean-Christophe Lemasson.

1914. Eugène, ebenso schön wie frech, bricht als Freiwilliger an die Front auf.
1916. Er wird vor Verdun verwundet und verliert dabei die Hälfte seines Gesichts. Daraus ergibt sich ein unaufhaltbarer Absturz in die Hölle: Wie soll das Leben weitergehen, wenn einem der Spiegel die Überreste von dem zeigt, was einmal war und nicht mehr wiederkehren wird?
Im Militärhospital Val-de-Grâce, wo er eingeliefert wurde, begegnet Eugène den Architekten seines neuen Lebens und folgt den Spuren, oder eher dem Schatten, eines gewissen Cyrano de Bergerac …

Die Gesichtsverletzten: vom Tod zum Leben …

Les Vibrants, ein Schauspiel des Theaterensembles Teknaï. Foto: Jean-Christophe Lemasson.

Les Vibrants, ein Schauspiel des Theaterensembles Teknaï. Foto: Jean-Christophe Lemasson.

Am Anfang dieses Textes steht die Ausstellung „1917“ im Centre Pompidou von Metz, wo Abgüsse der Gesichter von Gesichtsverletzten, den Gueules Cassées, neben künstlerischen Werken der damaligen Zeit gezeigt wurden. Diese Gegenüberstellung hat die Frage der Verbindung zwischen der Kriegsmaske und der Theatermaske aufgeworfen: Wenn Eugène die von Doktor Morestin angefertigte Nase trägt, handelt es sich um eine Prothese; wenn er die Nase von Cyrano trägt, ist es eine Maske.

Diese Suche ist von der Fragestellung nach der Identität nicht zu trennen. Der Erste Weltkrieg zerstört in seinem Verlauf alles, die Landschaft ebenso wie den Körper der Menschen, und bringt eine neue Kategorie von Verwundeten hervor: die Gesichtsverletzten. Doch mehr als ein Arm oder ein Bein konfrontiert die Veränderung dieser Maske den Verwundeten mit dem Verlust seiner Persönlichkeit. Und wie kann man – trotz der medizinischen Fortschritte – sich in etwas wiedererkennen, das ein anderer angefertigt hat?

Diesen Absturz in die Hölle erleidet Eugène im Militärhospital Val-de-Grâce. Und die Beziehung zur Theatermaske wird ihm das Überleben ermöglichen. Dank des Theaters, dank Cyrano de Bergerac und der Beharrlichkeit von Sarah Bernhardt wird er nun eine andere Dimension von sich selbst und von seiner Umgebung entdecken – das, was jenseits davon liegt. Jenseits der Masken, in „dem glühenden Feuer aller erträumten oder erlebten Leidenschaften“. Und genau dort wird er neuen Schwung erhalten.

Anhand der einfachen Momente des Lebens, die manchmal verzweifelt, manchmal von Glück erfüllt sind, lädt Les Vibrants den Zuschauer zu einer Reise durch die verschlungenen Wege der menschlichen Seele ein: Die von dem Gemetzel, das der Erste Weltkrieg darstellte, umgetriebenen Personen kämpfen gegen ihre eigenen Dämonen, wobei sie uns zugleich eine wundervolle Lehre des Lebens und der Hoffnung erteilen …

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